Kupfertreiben 9. Klasse
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Aufgabe 5

Briefständer

(Zeitraum: zwei bis vier Doppelstunden (Stunde=45 Minuten))

Diese Arbeit ist schwieriger als was bis jetzt gearbeitet wurde. Die aufstehenden Flächen werden in Relief gearbeitet. Durch diese Arbeit lernen wir Dehnen und Stauchen richtig handhaben. Zunächst muss ein Entwurf gezeichnet werden. Das Motiv muss einfach und eindeutig sein. Man muss wissen: was vertieft und was erhöht werden soll. Wer keine eindeutige Vorstellung hat, soll eine Ton(Lehm-)fläche mit einem Rundholz auswalzen und einen konkreten Entwurf in Ton machen.

Was muss beachtet werden?

1. Die Grösse wird bestimmt durch Postkarten- und Briefumschlagsgrössen. Zuhause macht sich der Schüler kundig. Er nimmt die Masse mit in die Schule und vergleicht sie mit den Massen seiner Mitschüler. Daraus ergibt sich ein Grundmass für alle.                                                              2. Die Gestaltung des Motivs kann nicht beliebig gewählt oder erfunden werden. Um nötige Gesichtpunkte zu finden, gab ich den Schülern ein A4-Blatt und legte einen Gegenstand daneben. Jetzt forderte ich die Schüler auf den Gegenstand mit dem Papier aufzuheben. Manche Schüler hielten darauf das Papier wie ein Löffel.

Wenige Schüler kamen darauf das Papier zuerst in Falten zu legen. Die grössere Stabilität wird immer erreicht, wenn "Falten" gelegt werden.                                                                              Dieses Prinzip gilt für das Kupfer, wie für die Architektur. Die Fassade eines Gebäudes ist stabiler, wenn sie aufgefaltet ist.

Der definitive Entwurf wird auf einen Karton oder ein festes Papier gezeichnet, ausgeschnitten und anschliessend auf die Kupferplatte (0.8 mm Dicke) übertragen. Der Kartonentwurf wird bis zum Schluss der Arbeit zu Kontrollzwecken aufbewahrt. Jetzt wird die Kupferplatte mit der Blechschere geschnitten. Die Ränder werden sorgfältig mit der Feile überarbeitet. Fährt man zuletzt tastend mit den Fingern über den ganzen Rand, spürt man sofort ob er ganzheitlich sauber überarbeitet wurde. An den Stellen, an denen zwei Kehlen entstehen, wird die Kupferplatte ganz leicht über die Kante einer Holzunterlage geschlagen(siehe Bild). 

Dadurch erhält die Kupferplatte Stabilität und die Standfläche ist damit gesichert. Auf der Abbildung sieht man, wie unter den Schlägen des Knaufhammers das Kupfer einknickt (weil hier die Holzunterlage ist) und sich auf der anderen Seite sogleich wieder aufwölbt.

Hier nochmals der ganze Ablauf

Abbildung 1 bis 4:

1. Eine Kehle wird geschlagen

2. Die zweite Kehle wird geschlagen

3. Unter dem schlagenden Hammer (es kann auch ein Holzhammer oder ein Plastikhammer benutzt werden) wird das Kupfer nach links gezogen und dabei leicht hinuntergedrückt. Man wirkt so dem Aufwölben des Kupfers entgegen (möglich ist auch die nach innen gewölbte Aussenseite des Briefständers auf die Hobelbank zu legen und die gesamte Fläche plan zu schlagen)

4. Beide Seiten der Briefständer sind wieder plan.

Die Reliefarbeit kann beginnen.

Die Wahl der Holzunterlagen wird durch das Motiv bestimmt.

Mit diesen vier Vierkant-hölzern aus Buchenholz können alle mögliche Motive gearbeitet werden.

Weil ich eine Bandsäge zur Hand hatte, konnte ich die Vierkanthölzer jeweils spitzen, einen neuen Grat geben oder eine andere Aufwölbung sägen, je nachdem was nötig war. Kupfer, das man auf der Kante (Grat oder Spitze) bearbeitet verbiegt sich und wird härter! Schlägt man auf die Kupferfläche, dann dehnt sich das Kupfer.

Ich habe mal einen Schüler gehabt, der sehr fleissig war. Er arbeitete zu intensiv und dann geschahen zwei Sachen.                                                                                                                        1. In der Kupferfläche war eine Spannung aufgebaut. Berührte man die Kupferfläche an einer Ecke sprang die Platte um ein paar Zentimeter nach vorne, berührte man darauf die Fläche an einem anderen Ort sprang sie wieder zurück!

2. Die gesamten Flächen waren zudem überstreckt worden. Grob skizziert sah die Arbeit etwa so aus.

Hier ist man als Fachlehrer dann besonders gefordert, Man muss vor dem Schüler an der richtigen Stelle ansetzen, muss ihm zeigen, wo gedehnt und wo gestaucht werden muss damit die Fläche wieder plan wird.

Bücherstüzen

Verwandte Aufgaben können jetzt entwickelt werden. Eine interessante und anspruchsvolle Aufgabe ist die Bücherstütze. Wiederum müssen Motiv und Funktion in Zusammenhang stehen.

Hier zu zwei Entwurfsskizzen

__________________________________________________________________________  Mit diesen Aufgaben ist die Werkepoche "Kupfertreiben 9. Klasse" ausgelastet. 

Die nächste Aufgabe betrifft die 10. Klasse