Plastizieren in der Heilpädagogik
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Plastizieren mit gewöhnungsfähigen Kindern

Mit einer Gruppe gewöhnungsfähiger Kinder entwickelte ich eine Übungsreihe. Ich hatte damals noch den Eindruck, dass ich eine bedeutende Übungsreihe gefunden hatte, die ich später noch öfters anwenden würde. Mit der Zeit wurde mir aber klar, dass ich mit Gruppen oder beim Förderunterricht mit einzelnen Kinder nur situativ schaffen konnte, das heisst nach den Umständen und zu dem bestimmten Zeitpunkt musste ich die Wege suchen; Wege, die sich nur für diese Situation eigneten. Einen solchen Weg möchte ich hier schildern.                                                         

Die Kugelübung.

Die erste Stufe dieser Arbeit bestand im Anhäufen einer ordentlichen Tonmasse. Da musste in den Tonbehälter hineingegriffen, mit den Fingern Tonstücke herausgelöst und auf ein Brett angedrückt werden. Ich muss das nicht alles in Details schildern, wer den Umgang mit dem Material und mit diesen Kindern kennt, versteht sofort, dass diese Tätigkeit ein paar Stunden in Anspruch nahm. Natürlich musste ich die Handlungen beständig begleiten und musste dafür sorgen, dass der Ton sich massig en zentral auf dem Brett anhäufte.

Die Masse war zuletzt zentriert und man konnte meinen, sie war unter unseren Händen gewachsen. Wir fügten jetzt nur noch wenig Ton hinzu, pressten und drückten den Ton auf das Zentrum hin zu, wie wenn wir die Masse komprimieren konnten. Dann glätteten wir, dort wo die Fläche noch uneben war, mit den Händen die Oberfläche.

Die Gruppe hatte sich über diese Stunden vollends an dieser Aufgabe gewöhnt, sie kannte die Anforderungen, lernte immer besser greifen, drücken und über die Oberfläche gleiten.

Es folgte die zweite Stufe dieser Arbeit, die darin bestand, dass ich die Oberfläche mit Tüchern ganz durchnässte. Ich stellte ein Becken mit lau-warmem Wasser neben der Tonmasse und legte eine Fingernägelbürste und ein Handtuch dazu.

Jetzt arbeiteten wir mit der flachen Hand, legte sie auf die glitschige Tonfläche, rutschten in verschiedenste Richtungen und suchten dann Bewegungsabläufe. Kreisende Bewegungen, Spiralförmige, Hinunterführende oder Aufsteigende. Wir legten beide Hände darauf, bewegten sie gegenläufig oder symmetrisch. Ich will die Bewegungstypen nicht einzeln beschreiben, wer diese Übung durchführen will, muss sie zunächst selber ausführen und die entsprechenden Erfahrungen machen. Denn dasjenige, was man beim Üben entdeckt und was man später mit den Kindern durchführt, ist das Tragende, wir können nicht mit dem Kopf arbeiten, wir müssen es uns zunächst zu eigen machen, dann können wir die Kinder auf diese Entdeckungsreise mitnehmen und die Bildetätigkeit vermitteln.

Auf der Abbildung vermittle ich nur ein Paar visuelle Eindrücke von diesem Bildeprozess.


Liegende Tonmasse                                                                                                                                 

Die zweite Übung ergab sich wie selbstverständlich aus der Kugelübung. Die Arbeitsweise war dieselbe, die ich oben umschrieben habe, nur wurde der Ton nicht zentriert, sondern länglich aufgebaut, es entstand ein grosses «Tonbrot». Hier verlangt es ebenso die Eigenerfahrung. Baut man die Masse zunächst selber auf und übt damit, merkt man in welcher Grösse sie gearbeitet werden muss.

Alle Arbeitsschritte waren an diesem «Tonbrot» ganz ähnlich, nur das wir keine zentrierte Masse, sondern eine längliche Masse hatten. 

Handhabt man diese Gestaltung, erlebt man, wie sie die "Urform" für die Tierwelt bildet.

Sucht man die Bewegungsabläufe, so entdeckt man, dass dieser Form das Rhythmisch-Klanghafte innewohnt: die Bewegung beschleunigt sich, sie nimmt wieder ab, nimmt eine neue Richtung, steigert sich von neuem und klinkt wieder ab.

Druck ausüben, von Vorne und Hinten, nacheinander oder auch gegenläufig, steigert den Formausdruck.


Die Aufrechte                                                                                                                                            Wenn man sich lange genug mit der "liegende Tonmasse" , mit der Schwingung im "Vorne-Hinten", auseinandergesetzt hat, folgte wie mit einer inneren Notwendigkeit die dritte Übung. Jetzt wurde der Ton zu einem Turm aufgebaut. Wiederum schweige ich mich über die effektive Höhe aus, weil man diese Übung zunächst ausprobieren muss.

Alle beschriebenen Schritte waren auch hier dieselbe. Das Unvermittelte, die Aufrechte, das Gegenüber, die Wachheit wurde zu einem entscheidenden Erleben.