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7. Klasse

In der siebenten Klasse klingen die Kräfte der Unterstufe ab. Die Schüler stellten mir öfters die Frage: "Wofür mache ich das?" Eine richtige Sinn-Frage, die einem verriet, dass eine neue Urteilsmöglichkeit aufleuchtete. Die Frage nach dem Sinn ist auch die Frage nach dem Zweck der Arbeit. Einem Gebrauchsgegenstande liegt - wie ebenso allen Werkzeugen - ein Zweck zugrunde. Wurden Gebrauchsgegenstände gewählt, tauchten notwendigerweise die Zweckgedanken auf.

Beim Arbeiten manifestierte sich immer mehr die aufkeimende Gedankenkraft. Die Phantasie wurde der Funktion unterworfen.

Für die Schüler öffnete sich eine ganz neue Schar an Werkzeugen. Werkzeuge, die man erst kennenlernen und deren Gebrauch man üben musste. Säge, Stechbeitel, Holzhammer, Bohrer usw. lernt man nur handhaben, wenn man seinen Körper beherrscht. Die Haltung, das Gleichgewicht, das "Gespür", die Richtung, kurz die grösste Geschicklichkeit des Körpers ist gefordert. Hier üben und bilden wir an der eigenen, körperlichen Gestalt.

Neue Themen der Arbeit:

  • Gebrauchsgegenstände (Nutzen, Zweck, Funktion)
  • Bewegliches Spielzeug
  • Holzverbindungen, die beweglichen Teile mit einander verbinden

1. Nussknacker

In einen Holzklotz wurde ein 50 mm grosses Loch gebohrt. Ein Stampfer mit Griff für die Hand wurde so gearbeitet, dass der zylindrische Teil im Durchmesser etwas weniger als 50mm war. Hier kann der Schüler seine Arbeit selbständig kontrollieren. Die Beurteilung ist einfach und überschaubar. Die Gestaltung der zwei Hölzer war danach der Phantasie des Schülers überlassen.

Einmal liess ich diese Aufgabe auch aus drei Holzteilen machen. Damit waren der handwerklich-technische und der handwerklich-künstlerische Teil der Arbeit klar getrennt. 

Nach diesem Prinzip kann man spielend viele Formen entwerfen.


Eine andere Art Nussknacker entstand im Heim «St. Michael». Wenn für das Backen von Brot oder von Kuchen viele Nüsse gebraucht werden, macht es Sinn ein Küchengerät daraus zu entwickeln.

Auf der Ablage (unter dem Hebel) kann für kleinere Nüsse ein Bänkchen hingestellt werden.


2. Das Thema: Truhe, Kästchen, Schatulle.

Alles Gegenstände mit einem abgeschlossenen Innenraum und mit einem beweglichen Deckel. Das Bilden eines geschlossenen Innenraumes hat seine besondere Bedeutung.

Bei einer Arbeit mit Schülern, hatte ich wiederum eine klare Trennung: Mechanik - die einfach stimmen musste (solange anpassen bis es klappte) und Material für die freie Gestaltung.

In den meisten Fällen wurde die technische Aufgabe gelöst und fehlte dann die Motivation noch einmal eine Gestaltungsarbeit zu leisten.

Hier (oben) ist das Bild des Kästchens als Rohling zu sehen. Die Mechanik musste perfekt sein. Danach war die Gestaltung des Kästchens frei wählbar.

Schritte der Arbeit:                                                                                                                                  1. Der Quader von 80 x 60 x 60 mm war gegeben.

2. Einzeichnen: Ritzen mit Streichmass. Weil der Deckel erst später hinzugearbeitet wurde, mussten zwei Stützen für den Deckel stehen bleiben, der Rest musste abgetragen werden. Schon die Bedienung des Streichmasses stellte eine besondere Herausforderung dar.

3. Säge-Einschnitte, die die Begrenzungslinie (15 mm unter Oberkante) berührten. Ob die Säge wirklich waagerecht geführt wurde, musste ich jeweils kontrollieren. Man kann ohneweiteres auch mehr Einschnitte einzeichnen. Dann übt der Schüler mehr und gewinnt grössere Sicherheit.

4. Mit dem Stechbeitel Schnitt um Schnitt das vorstehende Holz abspalten oder wegschneiden. Achten auf den Faser-Verlauf des Holzes! Die Stützen für die Halterung der Deckel bleiben stehen.

5. Der Innenraum des Kästchens wurde mit einem Stechbeitel ausgehöhlt.

6. Darauf folgten der Deckel und die runden Abschrägungen (wie auf dem ersten Bild).

7. Der Deckel wurde mit Dübeln von 6 mm Durchmesser festgesetzt. Arbeit mit Bohrständer und Tiefeneinstellung. Löcher im Deckel etwas vergrössern, Bohrer 6,3 mm.

8. Wenn die Funktion perfekt war, konnte das Kästchen schön geformt werden.

9. Zuletzt wurden die Dübel in die Stützen festgeleimt.


3. Stiefelknecht

Ich habe diese Arbeit nur einmal gemacht. Das Interesse daran ist nicht mehr da und auch wird sie in Haushalten heute kaum noch gebraucht. Wir zuhause brauchen sie noch: der Stiefelknecht!

1. Eine ideale Säge-Übung (die Rundung mit der Schweifsäge!).

2. Das Einfügen einer Grad-Leiste erfordert eine exakte Nut, die eingesägt und ausgestemmt werden muss.

3. Die eingefügte Leiste muss in der Höhe stimmen und muss so gehobelt werden, dass sie flach auf dem Boden aufliegt 

4. Die Massen für die Öffnung und die Rundung für die Stiefel oder das Winter-Schuhwerk nimmt man am besten direkt von den Schuhen oder Stiefeln. Die Höhe lässt sich dann zugleich bestimmen.

 

4. Spindel

Einmal kam die Handarbeitslehrerin zu mir. Sie hatte mit den Schülern Wolle gesponnen und hatte dafür eine kleine Spindel. Sie meinte, die Schüler können diese sicher im Werkunterricht arbeiten.

Die Spindel bestand aus drei Teilen, die ineinander gesteckt waren.

Ich war begeistert. Ich kannte die Spindel nur als gedrechselter Gegenstand. Hier war ein Gerät, dessen Teile genau in die drei Raumes Richtungen gestellt waren. Zudem wurde es ein Kunststück jedes Teil so zu formen, dass er im Gleichgewicht war.

Ich habe hier oben die Teile seitlich und in der Oberansicht abgebildet. Ganz rechts ist der Stab, (sie läuft konisch, verjüngt sich nach oben). Steckt man alle Teile zusammen, so fährt man mit dem Stab von unten durch die Löcher nach oben und muss den Stab nun so verjüngen, dass er sich in die unteren Teile festklemmt.

Zu oberst ist der Stab zu einem Knopf gebildet. Unter dem Knopf ist ein Absatz und seitlich ist ein feiner Einschnitt in dem Knopf. Hier führt man den Wollenfaden ein und setzt ihn unter dem Absatz fest.


5. Türklopfer

Der Türklopfer in der Form eines Spechtes besteht aus drei Teilen. Ich habe zunächst den Vogel arbeiten lassen und erst später das passende Brettchen dazu gesucht.                                            Auch hier gab es eine grobe Grundform, deren Masse genau nachgearbeitet werden mussten. Da es aber eine Grundform ist, ist nicht alles so wichtig. Nur die Verbindung vom Kopf und Körper, diese sollte so genau wie möglich ausgearbeitet werden. Die Masse der Formteile habe ich hier unten abgebildet.

Das schmale Holzplättchen unter dem Kopf (3) wird zuletzt in derselben Neigung der Nut (im Körper) zugesägt. Der Kopf muss sich locker in dem Schlitz bewegen. Dann wird ein Loch durch den Körper und das Holzplättchen gebohrt. Steckt man einen Dübel in dieses Bohrloch, kann man den Kopf nach vorne schwenken. Lässt man den Kopf los, fällt er wieder in die Ausgangslage zurück. Dazu muss man das Holzplättchen unten abrunden.

Der rote Strich ist der Verlauf der Schnur. Durch das Plättchen am Kopf wird eine 3 mm Loch gebohrt. Dieses Loch wird rückseitig vergrössert, damit die Schnur mit einem Knopf in das vergrösserte Loch eingelassen werden kann.                                                                                Ansonsten dort wo der rote Strich eingezeichnet ist, eine Kerbe machen für die Schnur.                  Unten an der Schnur kann in beliebiger Höhe eine Holzkugel befestigt werden.


6. Löffel und Schalen

Diese Zeichnungen könnte ich unendlich erweitern. Die erste Zeichnung ist ein üblicher Rahmlöffel, so wie man den hier in der Schweiz (womöglich auch in anderen Ländern) verwendet hat. Er ist aber "Geschichte". Ganz rechts ist der Mehlschaufel. Diese wird heute nicht mehr aus Holz gearbeitet. Man könnte diesen noch als Spielzeug verwenden um in Sand zu spielen. Hinzufügen könnte man noch den Kochlöffel oder das Salatbesteck. Wie oft werden solche Gegenstände von Schülern gemacht und schaut man zuhause nach, dann liegt der fertige Löffel nicht in der Küche, sondern hat einen Platz im Bücher-Schrank oder auf irgendeiner Ablage bekommen. Walter Dielhenn,(damaliger Werklehrer aus Nürnberg) sagte hierzu auf einer Werklehrertagung: als die Schüler einen Kochlöffel machten, dann habe ich die Eltern gesagt, wenn der Kochlöffel heim kommt, dann nimmt ihn und steckt ihn gerade in die Suppe und sagt dem Schüler: Ich habe noch nie so gut kochen können als mit deinem Kochlöffel! Mit solchen Gegenständen muss geschafft werden! Es sind keine Ausstellungs-Stücke.

Soweit zu den Löffeln (vorerst) und jetzt zu den Schalen.                                                                    Ich habe keine Bilder von Schalen, die in der Schule gearbeitet wurden. Die Objekte, die ich unten zeige sind alle im Heim entstanden, aber sie unterscheiden sich nicht wesentlich von den Arbeiten aus der Schule. Das Schnitzen einer Schale braucht unendlich viel Übung. Hat man die Schüler der sechsten Klasse intensiv schnitzen lassen, dann haben sie schon Übung. In der siebenten Klasse würde das eine Steigerung im Schnitzen bedeuten.                                          Das Aushöhlen gelingt den Schülern recht gut. Alle Schnitzer werden zu Anfang auf einen Punkt hingeführt. Sie arbeiten mit Schnitzeisen und Klöppel und kommen relativ rasch voran. Sobald feiner gearbeitet werden soll, geht alles solange gut, solange mit dem Klöppel (Hammer) geschafft wird. Soll dann die Innenfläche definitiv von Hand überarbeitet werden, wird die Flächengestaltung schwierig. Es ist nicht länger eine reine handwerkliche Tätigkeit. Es verlangt ein feines Abtasten der Fläche. Man muss die Unebenheiten wahrnehmen und ein waches Empfinden für die gesamte Form entwickeln. Einerseits immer die höchsten Punkten wegschnitzen, andererseits ein Gefühl für die Höhlung entwickeln. Wie oft habe ich hier nachhelfen müssen. Und dann kommt die Aussenform der Schale dran.                                        Das Hauptproblem ist, dass die Schalen meistens zu massig bleiben. 

Eine Grundsatzfrage: Wenn ich in der 6. bereits schnitzte und auch die 7. dazu benutze, was erreiche ich dann in der 8. Klasse, wenn Schreinerarbeiten anstehen? Wenn ich genügend Zeit gehabt hätte, hätte ich in der 7. Klasse sowohl eine Schale wie auch eine Arbeit mit Schreinerwerkzeug gemacht. Ich hatte aber immer nur ein Semester zur Verfügung.                        Aus diesem Grund habe ich die Aufgabe einer Schale nur einmal durchgeführt.


7. Mühlespiel

Diese Arbeit beinhaltete das Herrichten eines schönen Brettchens, auf dem ein Viereck von 18 X 18 cm Platz hatte. Es wurde gehobelt und geschliffen. Dann wurden die Linien, wie auf der Zeichnung nebenan, gezogen. Mit einem breiten Stechbeitel wurden die Linien in Kerbschnitten umgewandelt. Die Schüler durften selber die Begrenzung des Brettchens bestimmen, aufzeichnen und ausführen.                                                                                                            Ästchen wurden darauf in kleine Scheiben zersägt, sie lieferten - beidseitig geschliffen - die "Steine" für das Spiel. Wer Zeit hatte konnte zuletzt noch einen Würfel sägen, schleifen und die Augen hinein-bohren.                                                                                                                            Die Arbeit ist schön, stellt aber eine hohe Anforderung ans Können.


Weitere Ideen:

Schaber, Werkzeug für das Modellieren (reinigen von Modellierbrettern)


Stern-Schmuck. Zwischen-Arbeit mit dem Steckbeitel.


Traktor mit Lenkrad und Übertragung auf die Vorderachse. 


Krahne