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8. Klasse

1. Zimmermannspuzzle

Als ich 1986 zur Schule wechselte wählte ich diese Arbeit mit einer 8. Klasse. Ich hatte die Vierkanthölzer bei einer Schreinerei bestellt. Heute würde ich sie aus Doppellatten arbeiten lassen.                                                                                                                                                  Eine Doppellatte wird für den Bau gebraucht ist etwa 5 X 5 cm, die Oberfläche ist grob. Die Schüler könnten selber die Länge zusägen und die Oberfläche hobeln.                                          Weil meine Hölzer bereits gesägt waren, hatten die Schüler beste Bedingungen. 

Ich machte diese Arbeit nur einmal, weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte: jedes Jahr machst du mit den Schülern eine andere Arbeit. Ich wollte nie Aufgaben wiederholen. Wie oft schauten die Schüler anderer Klassen herein und wollten wissen, was für Arbeit sie im nächsten Jahr machen würden. Ich wollte, dass die Schüler die Arbeit nicht kannten und vorurteilsfrei an die Aufgabe herangingen.

Das chinesische Zimmermannspuzzle ist eine wunderbare Schreinerübung. Oben zeige ich zunächst Bilder eines Exemplars, das ich als Anschauungsobjekt ausführte.                                    Das Erste ist das fertig zusammengesteckte Puzzle. Dann sieht man, wie der letzte Balken ganz ist und zuletzt einfach eingeschoben wird. Das nächste Bild zeigt, wie ich eins der zwei Querhölzer herausgenommen und vorne hingelegt habe. Diese Querhölzer sind der "Schlüssel" zum Ganzen. Zuletzt stehen drei gleich gearbeiteten Hölzer noch zusammengesteckt, die Querhölzer liegen davor. 

Beim Sägen ergreifen wir die Raumesrichtungen - Vorne-Hinten, Rechts-Links, Oben-Unten. Bewegen wir die Säge bewusst in die Raumesrichtungen, so wird unser Sägeschnitt korrekt. Das Schöne an dieser Sache ist: Das Puzzle selbst ist Bild der Raumesrichtungen.                             Hier folgen die exakten Masse:

Ausführung:

Zunächst wurde mit dem Metermass die Sägeschnitte eines der drei Balken eingezeichnet. Wenn das Mass a = 4 cm, dann wurde also in der Mitte des Balken 8 cm eingezeichnet und diese 8 cm wurde 8x unterteilt. Wie oft musste hier der Schreinerwinkel richtig angeschlagen werden! Wie oft musste mit dem Bleistift eine exakte Linie gezogen werden! Jeder musste sein Resultat zunächst zeigen, bevor er anfangen durfte zu sägen.                                                                                      Jetzt wurde zunächst in der Mitte gesägt. Dann rechts und links von der Mitte ... usw. Immer sollte vorne und hinten der Sägeschnitt die Grundlinie berühren und nicht übertreten!                              Zuletzt wurden die letzten Schnitte knapp neben der Linie (im Abfallholz) ausgeführt.                  Hat man diese Vorübung, dann gelingt meistens das Weitere auch. Es ist notwendig dem Schüler viele Übungen auf dem Weg zu geben, damit er Sicherheit erlangt. Später wird man eine Holzverbindung nicht mehr so ausführen. Jetzt wurde mit dem Stechbeitel ausgestemmt. Der Balken wurde seitlich auf einem Abfallbrett hingelegt und ca. 3 mm vom Rand wurde senkrecht hinunter gestochen. In Fichtenholz kann man mit dem Gewicht des Oberkörpers den Stechbeitel ohne weiteres hinunterdrücken.                                                                                                      Wenn das Holz nicht komisch reagierte (wegen Ästen oder Drehwuchs) konnte man ohne Gefahr bis auf 5 mm vor der Kante senkrecht hinunterstechen. Dann wurde schräg hinuntergestochen, bis an der Kante. Der Balken wurde gedreht und von der anderen Seite wurden ebenso schräg hinuntergestochen. So gab es in der Mitte eine leichte Wölbung, die nun fein weggeschabt werden konnte.                                                                                                                                  Wenn darauf die Schüler alle Hölzer auf diese Art sorgfältig bearbeiten, haben sie alle Sicherheit. In den 16 Jahren Rudolf Steiner Schule-Erfahrung hatte ich nur ein Schüler, der diese Übung nicht geschafft hat. Ihm war es gar nicht recht und mir tat es furchtbar leid, aber ich konnte ihm nicht wirklich helfen. Ich bin ihn ca. 20 Jahre später wieder begegnet. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden, stand mit zwei Beinen im Leben! Er erinnerte sich noch allzu gut, wie schwer ihm das Werken der 8. Klasse gefallen war.

Soweit zu dieser Übung. 


Allgemein zur 8. Klasse

Die achte Klasse war bei uns die abschliessende Klasse der Mittelstufe. Mit der neunten Klasse traten die Schüler in die Oberstufe ein.                                                                                                Als ich mit dem Architekten unserer Schule an den Entwurf des neuen Schulgebäudes arbeitete, ergab sich für die 12 Klassenräume eine Raummetamorphose.                                                          In der ersten Klasse gab es einen einheitlichen Raum, im Grundriss etwas Kreis-ähnliches. In den nächsten Klassen bildeten sich eine Längsachse und ein klares Gegenüber zwischen Lehrer und Schüler. In der 8. Klasse wurde dieses "Gegenüber" aufgelöst durch einen einheitlichen Raum, der im Grundriss einem Rechteck, im Raum einem Quader glich. Die Achte war die einzige Klasse, in der der gerade Winkel auftauchte. Die weiteren Klassen (9 bis 12) wurden polygonal, ja in der 12. Klasse ähnelte der Grundriss wieder dem der ersten Klasse, nur dass er nun ein Vieleck wurde. Der Quader (mit den rechten Ecken) ist verwand mit dem Würfel. Der Würfel ist Bild der Erde! Die Vierheit durchsetzt den Würfel ganz, die Vierheit ist aber zugleich Sinnbild der Erde. Öfters habe ich in der Oberstufe (mit Vorliebe in der 12. Klasse) den Schülern die Aufgabe gegeben herauszufinden, wo immer die Vierheit zu finden ist. Und die Schüler fanden es heraus, dass die Vier steht für:                                                                                                                                          Die vier Elemente                                                                                                                                  Die vier Naturreiche                                                                                                                              Die vier Himmelsrichtungen                                                                                                                Die vier Jahreszeiten

Kurz: die Vier findet man immer verbunden mit dem, was sich im Erdenraum manifestiert.       Taucht das Geistige - der Mensch - in das Irdische ein, dann manifestiert es ein Seelenleben, das vier Charakteristika hat: Sanguiniker, Melancholiker, Choleriker, Phlegmatiker. Die vier Temperamente.
Also: der 8. Klässler taucht ein in das Irdische und hat hinter sich gelassen das kosmische Element der Kindheit (das gewinnt er erst wieder neu in der 11. Klasse).       

Wiederum kann man Freude am Zimmermannspuzzle haben, wenn man diese Gesichtspunkte im Hintergrund hat, aber im Grunde geht es um das Formprinzip, das auch in allen Holzverbindungen vorhanden ist, egal ob ich Fingerzinken, ob ich Schwalbenschwanzverbindungen, ob ich Nut und Kam-Verbindungen mache, immer lebt darin das Würfelprinzip.                                                        So ist mit den Jahren eine reichhaltige Palette an verschiedensten Aufgaben entstanden. Hat man einmal das Prinzip, lassen sich die Aufgaben und Ausgestaltungen endlos erweitern. 

2. Quader als Hilfe beim Plastizieren

Eine spezielle Aufgabe, die ich nie durchgeführt habe, ist von einem Kollegen, der in Berlin gearbeitet hat. Er hat die Schüler eine Quader machen lassen mit den Massen: 20 X 30 X 40 cm. Dieser Quader ist ideal für das Plastizieren, weil je nachdem wie man den Quader aufstellt, man immer verschiedenen Höhen hat. Es ist dann richtig ein Gebrauchsgegenstand für die Werkstatt. Und hier stellt sich lediglich die Frage: will ich eine ganze Klasse eine Arbeit machen lassen, die sie nicht heimnehmen können?

Diese Frage muss man für sich klären, dann kann man diese Aufgabe durchaus durchführen.

Weitere Aufgaben             

Ich möchte diesen Aufgabenbereich vorerst mit einigen Skizzen ergänzen. Später werde ich hier noch Details über die verschiedenen Holzverbindungen und den Gebrauch von Werkzeugen hinzufügen