Kupfertreiben 9. Klasse
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Aufgabe 3

Kerzenhalter

(Zeitraum: 90 bis 120 Minuten)

                                             1.                                                                  2.

1.  Hier werden runde Kupferscheiben in eine Holzschalenform geknauft.

Die Schläge dürfen nicht grob ausgeführt werden, sonst wird das Kupfer zerbeult. Es sollen die Schläge wie Hagelkörner überall auftreffen und die Scheibe sollgleichsam in die Holzform absinken.

Sobald die Hohlform grob erreicht ist, wird mit dem Knaufhammer - nur auf eine Stelle aufschlagend - die Oberfläche überhämmert, die andere Hand dreht und wendet dabei die Kupferscheibe.

Zuletzt wird die Oberfläche fein überhämmert. Als Unterlage dient jetzt ein gerundetes Eisen. Wir nennen diesen Vorgang Planieren (flach machen). Es ist möglich den unteren Teil des Kerzenständers von aussen zu schlagen (Sicht-Fläche) und den oberen Teil des Kerzenständers von innen, denn beim oberen Teil ist die Sicht-Fläche die Hohlfläche.

Weil das Kupfer sich immer an die Stelle einwölbt, an der geschlagen wird, soll die Schale (A) gut gehalten werden und sollen die Schläge (C) knapp neben dem Auflagepunkt (B) auftreffen. So wirkt man diesem Einwölbenentgegen. Diesen Zusammenhang muss man beobachten lernen oder anders gesagt: man muss dasjenige, was da im Kupfer vor sich geht erleben, manmuss "eins werden" mit der Kupferplatte.

Schlägt man zuweit vom Auflagepunkt weg, dann wird die Rundung eingebeult. Sobald eine Delle ("Einbeulung") entsteht, sofort die Schalenform wieder in die Holzschale zurücklegen und die Delle «von innen» wieder ausbeulen. Das Kupfer lässt alles mit sich machen, man kann es immer wieder richten, nur wird es durch diese verformende Tätigkeit immer härter.

Will man die obere Schale schön planieren, sollen die Schläge (C) genau auf dem Auflagepunkte (B) auftreffen. Die Schale (A) wird mit der Hand unter den rhytmischen Schlägen des Knaufhammers hindurchgezogen, möglichst von Innen nach Aussen (etwa spiralförmig). Wenn wir genau auf dem Auflagepunkt auftreffen, spüren und hören wir, wie der Schlag durch das Kupfer gerade in die Unterlage eingeht. Spüren wir einen Ruck oder tönt der Schlag "blechern", dann haben wir den falschen Punkt erwischt.

Sind beide Schalen fertig geschlagen muss der Rand mit einer Feile flach gefeilt werden. Ist das nahezu erreicht, können die Schalen mit dem Rand auf ein Sandpapier aufgelegt und geschliffen werden.

Wiederum beendet man diesen Arbeitsvorgang mit dem Überhämmern des Randes. Wir arbeiten ohne Auflage, halten die Schale einfach in der Hand und überarbeiten mit dem Hammer den Rand (wie beim Schuhlöffel).

Jetzt muss der Mittelpunkt beider Schalen eindeutig bestimmt werden. Mit einem Eisenbohrer werden Löcher (Durchmesser des Dornes wählen) gebohrt. Der Rand des Bohrloches (aufstehende Brauen) kann mit einem viel grösseren Bohrer - von Hand (!) - geglättet werden. Für den Dorn gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt auf dem Markt Dorne zu kaufen, die unten einen Schaft mit einer Windung haben. Diese kann man durch die Löcher durchführen und die Mutter anziehen.

Die Arbeit ist fertig.

Findet man solche Dorne nicht, so kann man auch selber einen Dorn aus einer Messingschraube herstellen

Wie verbindet man dann die Kupferschalen?

1. Man kann die Schalen und den Dorn löten. Dazu braucht es Lot und einen Lötkolben. Ist man im Umgang damit nicht geübt, ist es schade, wenn man es jetzt ausprobiert (zuerst üben!)

2. Auch lässt sich das Ganze mit Araldit (ein zweikomponenten Leim) sicher und solide leimen

Mit Hartlot würde ich nicht arbeiten. Hartlot schmilzt erst bei etwa 950° C. Bei dieser Temperatur nimmt das Kupfer die Wärme auf und wird weich! Der Klang der Schale ist weg, sie hat nur noch einen tiefen Ton. __________________________________________________________________________

Andere Möglichkeiten! Hat man diese Vorgänge im Griff, ist es auch möglich Varianten herzustellen.

Zum Beispiel eine grössere Schale wird auf eine Kupfer- Manchette festgelötet. Eine solche Arbeit habe ich einmal mit 10. Klässlern durchgeführt. Es verlangte eine äusserst genaue Arbeit bis alles wirklich passte. Dann kann die Kupfermanchette mit einem Eisendraht umwickelt und angezogen und ebenso die Schale mit der Manchette mit Eisendraht gehalten werden. Ist alles in Position lässt sich diese Arbeit gut mit Lot verbinden.

2. Kerzenhalter aus einem Stück Blech.

Bei dieser Arbeit wird das Kupferblech von zwei Seiten bearbeitet.

A. die Aufwölbung in der Mitte

B. die Unterlage für die Kerze (Wölbung wird eingedellt)

C. die Auffangrinne für den Wachs

D. das Einziehen der Kupferrand nach oben.

Bis hierher haben wir immer "geknauft". Dieser Vorgang ist uns jetzt vertraut. Es ist ein Dehnungsvorgang. In der Deutschen Handwerkersprache wird dieser Vorgang wohl auch mit «Auftiefen» bezeichnet. Bei D wird mit der Knaufhammer auch «eingezogen».

Diesen Vorgang beschreibe ich unten extra.

Durch «Einziehen» wird das Kupfer gestaucht. In der Deutschen Handwerkersprache nennt man diesen Vorgang «Aufziehen».

Mit der beabsichtigten Rinne wird das Kupfer auf die Kante der Unterlage gelegt. Strahlenförmig werden Falten geschlagen. Dabei wird das Kupfer so gehalten:

A. Das Kupfer leicht nach unten drücken und zugleich zu sich hinziehen.

B. Unterlage

C. Auflagepunkt

D. Hammerschlag - über den Auflagepunkt auftreffen.

Der Hammerschlag bleibt immer am selben Ort! Die andere Hand zieht das Kupfer über die Kante weg. Dann in Sprüngen (siehe die drei Pfeile) weiterarbeiten. Möglich ist auch ganz vorne am Rand anzusetzen und das Kupfer über die Auflagekante nach vorne zu schieben. Aber auch hier in Sprüngen arbeiten. Ich würde hier circa 12 Falten in Kreuzesform schlagen (oben - unten, rechts - links, usw.).

Was geschieht beim Stauchen? Auf der Abbildung habe ich versucht eine Darstellung zu machen, wie das Kupfer durch das sprunghafte Arbeiten zusammengestaucht und verdickt wird.

Bei dem Rand des Kerzenhalters ist es mit der Schieblehre noch kaum messbar, bei Gefässen oder Bechern (werde ich später besprechen) verdickt sich das Kupfer bis zu 50%!

Achtung! Es gibt Schüler, die beim Rand keinen Sprung machen. Sie schlagen gerade über die Kante und dellen das Kupfer kräftig ein (E). Es soll der Rand aber ausgelassen werden (F) und erst circa bei G angefangen werden zu hämmern. Später kann man von oben herunter (H) zum Rand hin exakt arbeiten und die Kante schön formen.

Macht der Schüler - trotz allen Vorsichtsmassnahmen - den Fehler und wird der Rand stark eingeschlagen, dann muss ich helfen. Siehe nächste Abbildung.

Man stellt die Rückseite des Hammers in die eingeschlagene Kehle des Kupfers, hält das Kupfer in die geeignete Position und lässt den Schüler mit einem Holz-Hammer auf den Kupfertreibhammer aufschlagen.

Gelingt das Ausbeulen nicht, kann das Kupfer bereits zu starr geworden sein und muss es über der Gasflamme kräftig erhitzt werden. Nach dem Abkühlen in einem Wasserbad ist das Kupfer so weich geworden, dass die Ausbeulung gelingt. Nun muss aber die gesamte Arbeit nochmals durch eine Überarbeitung gehärtet werden. Über das Erhitzen des Kupfers, das Abkühlen und das anschliessende Bad in Salzsäure (oder Schwefelsäure), schreibe ich später ausführlich.

So kann der fertige Kerzenständer aussehen. Auf der Abbildung sind mögliche Masse (die 6 cm Zusatz geben mehr Möglichkeiten für den Griff)

Sobald man die Technik beherrscht,werden andere Formen denkbar und ausführbar. Wer von den Schülern geschickt ist und wer sich gerne Herausforderungen stellt, der kann auch frei gestalten. Meistens war es leider eine Zeitfrage. Meine Kollegen in Deutschland hatten wesentlich mehr Werkstunden zur Verfügung als ich. 

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